Bienvenue en france

Endlich Urlaub! – Unser Reisetagebuch (Woche Drei)

Wir waren immer noch auf Rutt (unterwegs). 1.435 Kilometer lagen inzwischen hinter uns. Wie weit es noch gehen sollte, wussten wir nicht. Also musste mal wieder der Bauch entscheiden…

Tagebucheinträge

Klicke auf den Link des jeweiligen Datums und lese, was wir an diesem Tag erlebten:

Mittwoch, 21.09.2022 Abfahrt: Sciotot, Les Pieux Ankunft: Lingreville (106 Kilometer)

Die Route von Sciotot nach Lingreville.

Wir hatten richtig gebummelt und überlegten bis zur letzten Minute, ob wir nicht doch noch einen weiteren Tag in Sciotot bleiben sollten. Aber die Hummeln im Hintern siegten. Ein kurzes Tschüss an unsere deutschen Nachbarn, dann machten wir uns bei 21 Grad schönstem Sonnenschein auf den Weg zu unserem heutigen Zielort: Lingreville.

Ein Metzger als Wegweiser

Zwei wichtige Tagesordnungspunkte standen auf unserer Liste: Die Ver- und Entsorgung der Elfie sowie Wurst von der Boucherie für uns. Der zweite Punkt sollte sich als echte Herausforderung herausstellen. Mehrfach standen wir vor verschlossenen Türen. Das Gute daran war, dass uns die Nahrungssuche mit La Haye und Coutances in zwei tolle Städte führte, die wir sonst nicht bereist hätten.

Mach mich nicht wahnsinnig!

Noch bevor wir aber überhaupt in die Nähe dieser beiden Orte kamen, brachte ich Rabbi an den Rande des Wahnsinns. Ich wollte keine der Traumbuchten verpassen. Sand mochte ich doch ein bisschen lieber, als Kies. So schön Étretats Kulisse auch war.

In den ersten Kilometern setzte sich der Chef des Hauses noch durch. Er wollte partout nicht anhalten. Dann ergab er sich. In Le Rozel und Surtainville, im Übrigen superhübsche Örtchen, durfte ich dann einen Blick auf den Strand werfen. Jeweils zwei Minuten wurden mir zugestanden, dann ging es weiter. Besser, als nix.

Strandblick Le Rozel.
Strandblick Surtainville.
Der Chef war genervt, da half nur durchatmen.

Strände, Kirchen, Dörfer, Felder

Unsere gewählte Route war wieder wunderschön. Die Eindrücke überholten sich, sodass wir nicht wussten nicht, wo wir zuerst hinschauen sollten. Ob klassische Reiseführer-Empfehlungen oder kleinere Details. Diese Ecke von Frankreich bot eine Menge Abwechslung. Witzig waren die bunten Briefkästen und die Tonfiguren in den Häusernischen oder auf den Dächern. Nicht zu vergessen, die bunten Holztüren und Fensterläden, die gemeinsam mit den Blumenkästen voller roter und pinker Geranien, den optimalen Farbtupfer zu den steinigen Häuserfronten bildeten. Das konnten wir gar nicht alles in Bildern festhalten.

Umfriedung des Château du Rozel. 2021 gab es einen Brand, bei dem Schlimmeres verhindert werden konnte.
Église Saint-Pierre in Le Rozel.
Abwechslungsreiches Le Rozel.
Wohnhaus in Barneville-Carteret.
Gezeiten im Hafen.
Französischer Charme in Barneville-Carteret.
Hübsch, oder?
Mediterranes Flair in Saint-Georges-de-la-Rivère.

Das Wort des Tages „Fermé“

Mittlerweile knurrten unsere Mägen „Frère Jacques“ in Form eines Kanons. Wir brauchten wirklich dringend etwas zu essen. Ein paar Kilometer landeinwärts sollte es einen guten Metzger geben und dieser hatte zudem auch noch durchgehend geöffnet. Also auf nach La Haye-du-Puits.

Dieses am Fluss Vavasseur gelegene Städtchen war echt süß. Der Wochenmarkt wurde gerade geschlossen, aber der Grillstand hatte noch geöffnet. Die davor anstehende Menschengruppe ließ die Vermutung zu, dass die angebotenen Gerichte schmeckten. Sollte unsere Suche nach dem Metzger erfolglos bleiben, wollten wir dort etwas für unterwegs mitnehmen. Wir kürzen hier ab: alle der drei ortansässigen Fleischer waren geschlossen. Zwei im Urlaub, einer in der Mittagspause und, da wir so lange rumgesucht hatten, war der Grillstand inzwischen auch dicht. Vor lauter Verzweiflung kauften wir uns ein paar Croissants. C’est la vie.

Église Saint-Jean La Haye-du-Puits.
Der Marktplatz. Hier gibt es die besten Croissants, die wir bislang gegessen haben.

Unwissend, welchen kulinarischen Schatz wir in den Händen hielten, ging es hungrig zurück in Richtung Küste.

Schnüffelstücke für den Mann

Nach La Haye folgten mit Saint-Germain-sur-Ay oder Gouville-sur-Mer weitere schnuckelige Orte und tolle Strände. Unseren Wurstwareneinkauf hatten wir auf später verschoben, denn nun galt es erst einmal Wasser für die tägliche Körperpflege aufzufüllen.

Saint-Germain-sur-Ay.
Weitläufiger Strand von Gouville-sur-Mer.

Eine gute Ver- und Entsorgungsstation fanden wir in Pirou Plage. Hier gab es einen Stellplatz, auf dem sich hauptsächlich Dickschiffe tummelten. Top-Lage und das für 10,00 Euro pro Nacht. Wir blieben nicht, aber behielten dieses Angebot im Hinterkopf.

Rundumversorgung der Elfie.
Gegenüberliegend ein hübscher Zugang Richtung Ort.
Während Rabbi seiner Pflicht als Versorgungschef nachkam, genoss ich einen kurzen Moment am Strand.

Pirou Plage schien, für seine bunten Badehäuschen zu sein. Jedenfalls machte es auf uns den Eindruck, als wir im Vorbeifahren eine Horde Wanderer durch die Dünen stiefeln sahen, um die weißen Hütten mit ihren farbig bemalten Dächern zu begutachten. Zugegeben: die kleinen Butzen waren wirklich ein toller Anblick.

Häuschen soweit das Auge reichte.
Frankreich oder Schweden? Das ist hier die Frage.
Idylle pur.

Mit der Versorgung der Elfie war einer unserer Tagesordnungspunkte erfüllt. Nur den Belag für unsere Croissants hatten wir noch nicht. Ich suchte im Internet und wurde im circa 20 Kilometer entfernten Coutances fündig. Wir philosophierten just über unseren Einkaufszettel, als Rabbi einfiel, dass er sein Schnüffelstück am Wasserhahn der Versorgungsstation von Pirou hatte stecken lassen.

Also erstmal wieder Retour. Dieser Adapter war der letzte seiner Art. Die anderen gefühlten 325 Schnüffelstücke waren bereits über gesamt Deutschland verteilt. Sollte der Chef des Hauses den Verkauf weiterhin so ankurbeln, konnten wir glatt über Gardena-Aktien nachdenken. Zum Glück hing das gute Stück noch am Hahn. Danach ging es geradewegs nach Coutances.

Unbezahlbar.

Alles Gute kam von oben

Plötzlich herrschte Stille im Auto. Wir beide sprachlos. Ein Zustand, der höchst selten in einem Jahrhundert vorkam. Die Ursache war eine gigantische, wie gemalt wirkende Kathedrale oberhalb der vor uns liegenden Stadt. Der blaue Himmel unterstrich deren klaren, scharfen Konturen. Das Gotteshaus, bekannt als Notre-Dame Coutances, überragte nicht nur alles, es überstrahlte einfach alles.

Ich war so geflasht, dass ich leider viel zu spät auf den Auslöser drückte.

Bei aller Euphorie fuhren wir trotzdem erst zum Fleischer. Ein super Typ, toller, sauberer Laden, mit klasse Produkten. Danach ging es aber direkt in die City, um der Kathedrale einen kurzen Besuch abzustatten.

Auf dem Papier waren die Türme mit knapp über 77 Metern im Vergleich zum Kölner Dom, der eine Turmhöhe von mehr als 155 Metern aufwies, eher kurz geraten. Aber so ein Häuschen auf einem Berg machte schon ’n büschen mehr Eindruck, als gebaut auf platten Land.

Klares Statement.
60 Meter kürzer, als der Kölner Dom…
…und passte trotzdem nicht aufs Bild.

Coutances hatte sich vom ersten Moment an für unsere Liste der Lieblingsstädte der Normandie qualifiziert. Traumhaft schön. Heute reichte die Zeit nur für eine kleine Rundfahrt, aber wir kamen wieder, versprochen!

Der gesamte Bereich von Coutances war beeindruckend.
Bilder können leider nicht alles ausdrücken. Der Blick, vorbei an der Église Saint-Pierre geht direkt ins grüne Tal. Einfach toll.

Nach diesem mehr als erfolgreichen Trip, gab es noch einen kleinen Abstecher zum Strand von Hauteville-sur-Mer, bevor wir dann in Lingreville das Lager aufschlugen und endlich mal zum Essen kamen.

Hier oben darf man mit dem Auto langfahren. Womos sind dort nicht erlaubt.
Fast Feierabend. Ich arbeite noch ein bisschen an diesem Beitrag. Morgen geht es dann weiter.

Donnerstag, 22.09.2022 Ruhetag in Lingreville

Heute war Ruhetag. Wir hatten uns entschieden, noch eine weitere Nacht in Lingreville zu bleiben. Uns rauschte der Kopf. Während Rabbi an einem neuen Theme (Design) für unseren Blog bastelte, ging ich ein wenig am Strand spazieren.

Les Tracteurs sur la Plage

Dieser Strandabschnitt schien ein Hotspot für Sulkis zu sein. Das war herrlich anzusehen und machte ein wenig neidisch. Gerne wären wir mitgefahren. Tolle Tiere. Respekt, liebe Fahrer.

Einer der vielen Sulkis am Strand von Lingreville.

Ohnehin gab es genug, zu beobachten. So hatte sich gegenüber von uns ein französisches Pärchen mit seinem Dickschiff festgefahren. Ein paar vorbeifahrende Franzosen hielten, um zu helfen. Wir konnten leider nichts tun, denn dafür reichte das Französisch bei Weitem nicht aus. Allerdings wussten wir, dass die Fischer am Strand gerade ihre Boote ans Land holten und auf ihre Traktoren luden. Perfekt, um das Wohnmobil aus dem Sandloch zu ziehen.

Den Jungs am Strand das Problem zu vermittelten, schied völlig aus. Also stiefelte ich mit dem Mobilfunkgerät in der Hand los, rüber zu der kleinen Volksversammlung, die gerade mit vereinten Kräften dabei war, den halben Wald und eine alte Sonnenliege unter dem Vorderrad des Womos zu drapieren.

Auf dem Weg legte ich mir die Worte einigermaßen zurecht. Bei der Truppe angekommen war davon keines mehr übrig. So zeigte ich lediglich, wild gestikulierend, in Richtung Strand und hielt ihnen eines meiner Trecker-Fotos unter die Nase. Ein älterer Herr guckte mich etwas verstört mit großen Augen an und meinte dann „Tracteur?“ – „Oui, Monsieur Tracteur. Hommes sur la Plage.“ Erneutes Gestikulieren meinerseits, dann war meine Mission erledigt und ich dackelte wieder ab.

Wenig später wurden sie tatsächlich mit Hilfe eines Treckers aus dem Sand gezogen. Wir hätten uns die erfolgreiche Rettung sehr gerne aufs‘ Fähnchen geschrieben, gingen aber davon aus, dass sie auch ohne unsere kläglichen Kommunikationsversuche auf diese Idee kamen. Warum man sich allerdings mit so einem Ding in die Dünen stellen musste, blieb uns ein Rätsel. Naja, Hauptsache, alles war gut ausgegangen.

Apropos Trecker. Davon gab es, wie gesagt, reichlich am Strand und somit könnt Ihr Euch auf ein buntes Sammelsurium freuen. Voilà! Ein paar Fotos, die Euch hoffentlich ein bisschen Sonne und Farbe ins regnerische Deutschland schicken.

Faszination Zaun,…
…Boje,…

…Zaun.
Trecker, Marke unbekannt.
Renault 551.
Massey Ferguson.
John Deere.
Echt niedlich.
Farbe am Strand.
Bojen zu fotografieren kann,…
…wirklich entspannend sein.
Citroën Méhari (1968-1987). Der Besitzer lies uns vermuten, dass er dieses Auto bereits sein Leben lang fuhr.

Bewegung muss sein

Nach erfolgreicher Fotosession am Strand, ging es ein weiteres Mal ans Wasser. Wenn man fast 16 Stunden auf dem Hintern saß, musste man sich bewegen. Ok, mit Wasser war nicht viel, denn es war Ebbe. Dafür aber hatten wir den kompletten Strand in seiner epischen Breite fast ausschließlich für uns. Ruhe und Sonne, genau das, was wir gesucht hatten.

Im Anschluss belohnten wir uns mit drei Alibi-Kartoffeln sowie dem wundervollen, gestern erworbenen Rindfleisch aus Coutances. Es war genauso lecker, wie es aussah.

Ein guter Platz am La Manche.

Mehr gab es heute nicht zu berichten. Unsere Nachbarn aus Witten hatten wir inzwischen gegen ein Pärchen aus München getauscht. Die beiden konnten zumindest Moin sagen. Das gab direkt Sympathiepunkte. Gleich noch ne Runde Anfänger-Yoga und dann ab auf die Couch. So long Ihr Lieben, bis morgen!

Ps: Aus dem Yoga wurde nix, wir mussten noch mit den netten Münchener, die eigentlich aus Hagen kamen, quatschen. Ein wirklich sympathische Paar.

Noch 1,5 Wochen Urlaub und etwa 1.100 Rückreise-Kilometer. Natürlich konnten wir diese auch in einem Rutsch abreißen, aber wir wollten Ruhe walten lassen. So planten wir heute, am 23.09.2022 unsere Route durch den inneren Teil der Normandie, abseits der schönen Küsten, um uns gemächlich auf den Weg nach Deutschland zu machen.

Grobe Planung der Rückreiseroute.

Freitag, 23.09.2022 Abfahrt: Lingreville – Ankunft: Lonlay l’Abbaye (205 Kilometer)

Nach zwei wunderbar sonnigen Tagen hieß es „Au’voir“ Küste! Es ging weiter für uns. Ab jetzt war nur noch Regen angesagt, aber vielleicht hatte der Wettergott ja doch noch ein Einsehen mit uns. Wir hofften auf das Beste.

Unsere total bekloppte Tagesroute, an der man sieht, dass wir, trotz Planung nicht wussten, ob wir noch weiter in die Bretagne fahren oder nicht.

Hochmotiviert freuten wir uns auf die bekannte Abtei Mont-Saint-Michel. Dieses westlich gelegene Monument schien der optimale Punkt zu sein, um den Küstenregionen der Normandie den Rücken zu kehren.

Das Hinterland

Wir packten unsere sieben Sachen zusammen, bedankten uns für die tolle Zeit und machten uns auf den Weg.

Mit einer kleinen Träne gab es noch einen letzten Blick auf unsere temporären Nachbarn.

Es ging Berg rauf und Berg runter. Der Regen wollte nicht nachlassen, wodurch die Ländereien und Orte, die wir durchquerten ein wenig trist wirkten. Auffällig war, dass sich der Baustil in diesem Teil der Normandie doch deutlich von dem in der ersten Reihe der Küste abhob.

Die Salat- und Zwiebelfelder von Bricqueville-sur-Mer stimmten uns auf das ein, was uns auf unserer Tour erwartete: Landwirtschaft soweit das Auge reicht.

Orte, wir Bréhal, Edenville oder Donville-les-Bains bestachen mehrheitlich durch Putz- und Fertighäuser und nicht durch Fachwerkbauten oder Granithäuser.

Bréhal.
Donville-les-Bains Übergang zu Granville.
Donville-les-Bains.

Granville die unschöne Schöne

Nach den etwas kleineren Dörfern erreichten wir die nächste größere Stadt Granville. Aufgrund ihrer Mixtur von Alt und Neu war sie unglaublich abwechslungsreich. Dabei war sie gar nicht besonders hübsch, aber durch ihre verschiedenen Ebenen versprühte diese Stadt trotzdem ihren Charme. Ein weiterer Flecken Erde, der mit einem erneuten Besuch von uns rechnen konnte. Aktuell lag der Fokus aber wieder einmal – Ihr ahnt es schon – auf unserer Nahrungszufuhr.

Granville – eine der oberen Ebenen.
Abwechslungsreiche Fassaden und…
…eine Straßenverteilung auf verschiedenen Höhenmetern machen für uns den Charme der Stadt aus.
Es geht abwärts.
Unten angekommen. Bei Nacht muss das Ganze wirklich toll aussehen.
Das Maritime darf natürlich auch nicht fehlen.
Erinnerungsfoto an Granville.
Granville gefiel uns besser, …
…als Trouville-sur-Mer.

Ein erster Blick

In den letzten Tagen hatte es sich eingebürgert, dass wir erst gegen Mittag frühstückten, daher durchquerten wir wachsamen Auges den schönen Ort Saint-Pair-sur-Mer auf der Suche nach einer Bäckerei. Allerdings blieb diese erfolglos.

Saint-Pair-sur-Mer.

Dafür konnten wir nur wenige Kilometer weiter, in Champeaux, einen ersten Blick auf die Abtei Mont-Saint-Michel werfen. Wenn auch nur einen schwachen. Durch das Regenwetter war es zu diesig. Aber selbst in dieser schemenhaften Form, beeindruckte uns das Gesamtbild. Neugierig auf mehr, schoben wir das Loch in unserem Bauch beiseite und schlugen den direkten Weg zur Abtei ein.

Am Horizont kann man die Abtei im Dunst erahnen.
Schade, dass die Sicht heute so schlecht war.
Pferde gab es heute an jeder Ecke.

Mont-Saint-Michel hatte für uns heute leider kein Foto

Eigentlich war es zu erwarten, dass an der meist besuchte Touristenattraktion Frankreichs der Papst im Kettenhemd boxte. Aber mit soviel hatten wir dann doch nicht gerechnet.

Zur Abtei selbst kam man tatsächlich nur fußläufig oder mit einem Shuttel-Service in Form eines Busses oder einer Bimmelbahn. Der gesamte Bereich war weiträumig gesperrt. Es gab gut ausgeschilderte Parkplätze, getrennt nach PKW, Motorrad und Wohnmobil. Ein Großteil der Parkbuchten war bereits besetzt.

Bei besserem Wetter hätten wir uns vielleicht auf den Weg gemacht, aber heute war es uns zu kalt und zu nass. Zitat Rabbi: „Ist auf ’nem Berg gebaut. Haben sie sich was einfallen lassen. Sieht schon cool aus, aber muss ich jetzt nicht haben.“ Damit war eigentlich alles gesagt und es ging, vorbei an den typischen Touristenshops, weiter Richtung Bretagne.

Ein kurzer Blick durchs Fernglas, dann gings weiter.

In Genets kamen wir in einer kleinen Boulangerie endlich zu unserem geliebten Baguette und Flan Nature. Das Frühstück war somit gesichert. Wir ließen Vains, Avranches, Pontaubault sowie Céaux hinter uns und genossen um halb Zwei auf einem superschön angelegten Parkplatz in Courtils unsere leckeren Backwaren.

Courtils hat den Platz für einen Aufenthalt wirklich toll, mit viel Seele gestaltet.

Wir kaufen ein „C“ -psssst!

Champeaux, Courtils und die nächste Pause in Cherrueix. Wir wussten einfach immer noch nicht wirklich, wo wir hinfahren wollten. Sonne war nirgends in Sicht. Die Bretagne reizte uns schon sehr, aber irgendwie planten wir ja, wieder mehr Richtung Deutschland zu fahren. Eine Krux. Vielleicht halfen Kaffee und Flan nature bei unserer Findungsphase? Mit Blick auf eine Kuhweide entschieden wir: es ging zurück.

Cherrueix.

Nach La Boussac, Val-Couesnon, Les Portes du Coglais und Louvigné-du-Désert kehrten wir der Bretagne den Rücken und begrüßten in Les Loges Marchis erneut die Normandie.

Trans-la-Forêt auch echt hübsch.
Val-Couesnon.
Les Portes du Coglais.
Berg rauf, Berg runter lässt sich auf diesem Bild leider nur erahnen.

Wasser & Schlafen

Zu unserem Glück fehlten jetzt nur noch Trinkwasser und ein Plätzchen für die Nacht. Unser Weg führte uns daher zunächst nach Saint-Hilarie-du-Harcouët. Trotz des wunderbaren Blickes sagte irgendetwas in unserem Bauch „Nö, hier nicht.“ Es musste ja nicht immer alles rational erklärbar sein. Die nächste Übernachtungsmöglichkeit ergab sich in Lapenty. Sehr hübsch, aber auch hier wurden wir nicht richtig warm mit dem Ort.

Saint-Hilarie-du-Harcouët.
Lapenty.

Schließlich fuhren wir noch einen Wanderparkplatz in der Nähe an, um letztlich nach einem Einkauf in Barenton, vor einer Klosterkirche in Lonlay l’Abbaye zu landen.

Die Abtei Sainte-Marie de Lonlay.

Bei Regengeprassel ließen wir den Tag Revue passieren und träumten uns in sonnigere Zeiten zurück. Mal sehen, welche komischen Ideen uns morgen wieder in den Kopf kamen. Für heute war aber erst einmal Schluss!

Samstag, 24.09.2022 Abfahrt: Lonlay l’Abbaye – Ankunft: Berville-sur-Mer (154 Kilometer)

Immer noch in der Findungsphase ging es heute erst einmal zu unserem Metzger des Vertrauens in St. Arnoult. Wie schon einmal gesagt: man muss sich Prioritäten setzen.

Ding-Dong – wie hat’s gemacht?!

Es gab wahrscheinlich nirgendwo, wirklich nirgendwo auf der Welt, ein Kloster, das sooft bimmelte, wie diese Einsame Abtei (Abbaye de Lonlay). Jede Stunde vier Mal. Plus die passende Anzahl an Glockenschlägen für die jeweilige Uhrzeit, versteht sich. Das konntet Ihr Euch, wie folgt vorstellen: Im 15-minütigen Rhythmus läutete es 1x für 15 Minuten nach, 2x für 30 Minuten nach, 3x für 45 Minuten nach und 4x zur vollen Stunde, plus wie gesagt, die Uhrzeit. Eine Zugabe erklang pünktlich morgens um sieben Uhr. Der Abt rief zur Messe.

In der Nacht bimmelte es selbstredend auch viertelstündig. Auf das Läuten der Uhrzeit wurde aber freundlicher Weise verzichtet. Dumm nur, wenn man das nicht wusste. Bei dreimaligen Klingeln dachte ich, die Nacht sei fast vorbei, es war aber erst viertel vor eins. Naja, danach war mit schlafen nicht mehr so viel.

Lonlay l’Abbaye ist wirklich niedlich. Im Hintergrund der Dauerbimmler. Respekt an den Köster?

Das Herz siegt

Nachdem wir gestern viel, sehr, sehr viel einsame Ländereien hinter uns ließen, merkten wir: unser Herz schlug eindeutig für die Küste. Daher warfen wir noch vor dem Einschlafen unsere Normandie-Inlandstour über Bord. Wir wollten wieder zurück ans Meer bzw. an den La Manche (Ärmelkanal). Wenn schon Wasser von oben, dann bitte auch von unten. Aus voller Überzeugung starteten wir daher unsere heutige Tour Richtung Houlgate.

Knappe 15 Kilometer später kamen die ersten Zweifel: wie sinnvoll war es wirklich, dass wir an die gleichen Orte zurückkehrten, ohne den Rest gesehen zu haben? Während der Fahrt ließ sich diese Frage nicht beantworten. Da half nur ein gutes Frühstück. Dieses Mal waren wir besser vorbereitet: wir hatten vor unserer Abfahrt noch fix ein Baguette besorgt. Flan oder sonstige Leckereien waren leider schon ausverkauft.

Auf einem herrlichen Wanderparkplatz in Landisacq machten wir unsere erste Rast und planten die Route neu.

Bei diesem Blick schmeckte das Baguette.

Nach einigem Hin und Her entschieden wir, den Küstenplan beizubehalten. Ausschlaggebend dafür war die Knoblauchwurst in Saint-Arnoult. Diese war nämlich wirklich super. Nun mochte sich dem einen oder anderen Vegetarier der Magen umkehren, aber mal so unter uns: wenn jemand 100 Kilometer für eine Wurst fuhr, war die Sau in keinem Fall umsonst gestorben.

Landwirtschaft, Vegetation, ab und zu ein Dorf

Gegenden, wie Sainte-Georges-des-Groseillers, Athis-Val-de-Rouvre oder Macé prägten unsere Tour. Ländlich, einsam und schlicht. Eher seltener durchquerten wir Örtchen, wie Sainte-Honorine-la-Chardonne oder Pont-d’Ouilly. Die kleinen Perlen dieser Route. Was uns gar nicht bewusst war: wir streiften auf unserer heutigen Reise einen Teil der normannischen Schweiz. Ein beliebtes Ziel von Wanderfreunden und Kletterern.

Weideland und akkurat gepflanzte Baumreihen in Athis-Val-de-Rouvre.
Händler für Landwirtschaftsbedarf sieht man auf unserer Tour öfter.
Ménil-Hubert-sur-Orne mit Landcharakter und…
Église Sainte-Honorine.
…mit Dorfcharakter. Die Optik der Dörfer ist hier doch deutlich anders, als an der Küste.
Pont d’Ouilly liegt an der Mündung des Noireau in die Orne.
Jort wirkt wie ausgestorben.

Die Küste naht

Je näher wir an die Küste kamen, desto mehr Fachwerkhäuser sahen wir wieder. In Mézidon Vallée d’Auge schien man sich bei der Gestaltung des Ortes noch nicht so ganz, für einen Baustil entschieden zu haben. Auch Bonnebosq war durch seinen bunten Häusermix recht urig. Genau aus diesem Grunde war letztgenanntes Städtchen ein weiteres Highlight auf unserem heutigen Trip. Bauzäune und Regen konnten am Kuschelfaktor diese Ortes nichts ändern.

Mézidon Vallée d’Auge ein bunter Mix.
Die kuschelige Dorfmitte von Bonnebosq.

20 Kilometer weiter tauchte in Benerville-sur-Mer bereits das wundervolle Blau des Ärmelkanals am Horizont auf und keine 10 Minuten später standen wir, wie bereits eine Woche zuvor, bei dem Herren mit der roten Mütze im Laden, um Fleischwaren zu kaufen. Mit dem Französisch klappte es schon deutlich besser. Im Anschluss ging es voller Stolz direkt nach Deauville an den Strand.

Hinterm Horizont geht’s weiter…Benerville-sur-Mer

Ihr erinnert Euch? Wir hatten den Strandbesuch beim letzten Mal spontan gecancelt, um schneller in das Traumörtchen Touques zu kommen. Diesen holten wir jetzt nach. Allerdings machte uns das Wetter einen dicken Strich durch die Rechnung. Es fing so derart an zu regnen, dass wir nach 30 Minuten Seeluft schnell wieder den Weg zur Elfie einschlugen.

Es mochte wohl am Wetter liegen, …
…aber so toll, fanden wir den Strand von Deauville gar nicht.
Rabbi on the Road.

Und nu?

Da wir so schnell nicht wussten, wohin, fuhren wir zum Wanderparkplatz nach Pennedepie. Diesen kannten wir ebenfalls aus der vorherigen Woche. Erneutes Sortieren. Nach diesem Abstecher zurück an die Küste merkten wir, dass über Land fahren auch so seine Vorzüge hatte. Es gab kaum schlafende Polizisten (Bremsschwellen) oder sonstige Verkehrsregularien, bei denen wir permanent geistig on fire sein mussten.

Machten wir uns doch wieder ins Landesinnere auf? Ein Argument sprach auf jeden Fall dafür: Bei den ganzen überwältigenden Eindrücken der letzten 1,5 Wochen, konnte es sehr entspannend sein, sich auf Kühe zu konzentrieren.

Honfleur die Zweite

Die Wahl fiel also wieder aufs Land. Herrlich, dass wir beide so unschlüssig waren und wir dies von uns bereits seit mehr als 20 Jahren kannten. Heute Hüh, morgen Hott. Naja, so wurde es zumindest nicht langweilig.

Mit diesem (vorläufigen) Beschluss ging es noch eben fix an die Schnäppchen-Tankstelle von Honfleur. Da das Wetter heute so usselig war, ergab sich bei unserer zweiten Ortsdurchfahrt die Gelegenheit, den Hafen ohne Menschenmenge, zu fotografieren. Auch im Regen wirklich hübsch!

Der Hafen von Honfleur ohne die ganze Tourimeute.
Wer meint eigentlich, dass eine solche Traumkulisse ein fest installiertes Katrussel braucht?

Danke!

Im Anschluss fuhren wir noch an einer Entsorgungsstation vorbei und dann galt es den Feierabend einzuläuten. Eines mussten wir festhalten: Frankreich machte es Wohnmobilisten sehr einfach. Die Versorgungsstationen waren allesamt ausgeschildert. Ähnlich, wie Wanderparkplätze. Ok, bei manchen Schildern fragten wir uns, ob sich jemand einen Scherz erlaubte oder noch ein paar Verkehrszeichen weg mussten. Aber in der Mehrzahl klappte es echt gut. Auch gab es zahlreiche offizielle Stellplätze, die die Kommunen gebührenfrei zur Verfügung stellten. Von ganzem Herzen: Merci beaucoup pour tout cela!

Berville feiert

Vor einer Kirche zu schlafen, wurde langsam für uns zu einer schönen Sitte. Heute fiel die Wahl auf die Église Saint-Melaine in Berville-sur-Mer. Etwas höher gelegen, klein und fein. Als wir um kurz nach 18:00 Uhr dort aufschlugen, begrüßten wir Hase sowie Igel und wünschten allesamt eine wunderbar ruhige Nacht. Die letzte war ja aufgrund des Glockenkonzertes eher semi-gut.

Wieder eine spektakuläre Anfahrt. Die Straße so breit, wie unsere Elfie.

Eineinhalb Stunden später, so gegen 19:41 Uhr wurde unser Traum allerdings jäh zerstört. Wir hatten gerade unsere erste Tasse Bier geleert, als dieses 695 Seelendorf plötzlich hupender Weise von einer Horde Feierwütiger überfallen wurde. Die Einwohnerzahl schien sich innerhalb von fünf Minuten zu verdoppeln.

Die geschmückten Autos sowie die Kleidung der Gäste machten klar: es gab eine Hochzeit. Wahrscheinlich die einzige in diesem Jahr. Ach, was sagten wir. Die einzige Hochzeit seit drei Jahren. Vielleicht die einzige in diesem Dorf.

In diesem Moment ahnten wir es: Adieu Nachtruhe, Bonsoir „Atemlos durch die Nacht…“

Ps: Rabbis Kreisverkehrs-Theorie für Fortgeschrittene

Bei der ganzen Fahrerei erlebten wir ja schon so einiges. Rabbis Denksportaufgabe der letzten Tage Frankreich bezog sich auf das Verhalten im Kreisverkehr. Urplötzlich rief er gestern: „jetzt habe ich es verstanden!“ Was bitte? „Na, den Kreisverkehr.“

Damit auch Ihr nicht dumm sterben musstet, hier die Theorie (die sich im Übrigen nur sequenziell bestätigen ließ): Wenn ein Franzose in einen Kreisverkehr fuhr und geradeaus wollte, dann blinkte er bei der Einfahrt nicht. Wenn er die erste Ausfahrt rausfuhr blinkte er rechts – vorausgesetzt, die erste Ausfahrt war nicht geradeaus. Wenn er die letzte Ausfahrt raus wollte, blinkte er bereits bei der Einfahrt in den Kreisverkehr links. Vorausgesetzt, diese war nicht geradeaus. Verstanden?

Ich musste klar zugeben, mir war das zu viel Intelligenz beim Autofahren. Mein Gehirn schaltete schon bei der Frage ab, wie man wohl geradeaus fahren konnte, wenn man sich in einem Kreisverkehr befand, aber…Da unsere französischen Freunde auch bei ihren Ordnungszahlen rechneten, traute ich ihnen diese krude Fahrlogik schon irgendwie zu. Allez les Bleus!

Sonntag, 25.09.2022 Abfahrt: Berville-sur-Mer – Ankunft: Cap Fagnet (137 Kilometer)

Die Route von Berville-sur-Mer nach Cap Fagnet.

Moin äh Bonjour natürlich! Na, habt Ihr auch nicht geschlafen? Bis weit nach vier Uhr heute Morgen hatten die Feierbiester durchgezogen. Es war ihnen ja gegönnt. Nur, warum musste es ausgerechnet diese eine Nacht sein? Egal. Für uns galt es, die Morsbacken zusammen zu kneifen und weiter ging es – nur wohin, das war immer noch die Frage.

Die Kirche Saint-Melaine mit blauem Himmel. Der Tag begann sehr vielversprechend.

Flan Nature in Étretat

Die Chantilly-Strecke hatten wir nun doch gecancelt. Sprich: Wir verschoben unsere Inlandstour endgültig auf ein anderes Mal und einigten uns auf eine Mischung von Land und Wasser. Selbst, wenn das Hinterland etwas unspektakulärer war, als die erste Reihe an der Küste, wir mochten es irgendwie. Damit hatten wir eine Sache schon mal abgeharkt. Offen blieb aber weiterhin die komplette Rückreiseroute nach Good Old Germany.

Wenn die Einfälle nicht kamen, half bei uns nur Essen. Da das Metzgereithema abgeschlossen war, gingen wir zu unserer nächsten, neu gewonnenen Leibspeise über – dem Flan nature. Wir hatten uns diesbezüglich durch die halbe Normandie gefuttert. Folglich konnten wir mit Recht behaupten, dass es, zumindest für uns, in einer kleinen Pâtisserie in Étretat den besten Flan gab.

Damit war klar, es ging nach Étretat. Vorher noch einen Abstecher ans Cap d’Antifer, Frischwasser auffüllen. Dort war für heute Sonne angesagt und, wenn es uns gefiel, blieben wir für eine Nacht. Soweit, so gut.

Frühsport

Euphorisiert durch diese erfolgreiche Tagesplanung, nahmen wir uns noch die Zeit für einen Spaziergang an der Seine. Von unserem Standort in Berville-sur-Mer aus waren wir in zwei Minuten am Wasser. Was wir uns für die nächste Tour merkten: von dort aus konnten wir wunderbar Honfleur (11 Kilometer) sowie Deauville (54 Kilometer) mit dem Rad erreichen. Das wollten wir bei trocken Witterungsbedingungen unbedingt einmal ausprobieren.

Eine wunderschöne Trauerweide an der Seine. Hier war das Wetter noch auf unserer Seite.
Ein gut ausgebauter Radweg.
Blick über die Seine up anner Siet (auf die andere Seite).

Jetzt hatte der Wettergott aber erst einmal andere Pläne für uns. Nach etwa 15 Minuten mussten wir uns ordentlich sputen (beeilen), um nicht einen noch nasseren Hintern zu bekommen. Wir sprinteten zurück zum Auto, ersetzten die nasse Kleidung und machten uns auf den Weg.

Der Himmel nach 10-minütigen Spaziergang.
Der Himmel nach 15-minütigen Spaziergang Jetzt hieß es für uns flott zurück zur Elfie.

Mut zur Lücke äh Brücke

Von Berville ging es durch das hübsche Örtchen Conteville nach Tancarville. Da wir bei unserer ersten Seine-Überquerung die Pont de Normandie nutzten, stand heute der Transfer über die Pont de Tancarville auf dem Plan. Ganz klare Ansage von uns: wenn Ihr Lust habt, mal für einen kurzen Moment, Euer Leben an Euch vorbeiziehen zu sehen, dann fahrt über diese Brücke.

Aber fangen wir mit dem Positiven an: die Maut betrug 3,30 Euro statt 6,50 Euro. Das wars dann auch schon. Von der ursprünglich zweispurigen Strecke, war die Fahrbahn mit Pylonen auf eine Spur verengt. Gut so, denn am Brückenrand zerlegte sich der Asphalt schon deutlich sichtbar in seine Einzelteile. 50 Meter über der Seine ein Anblick, auf den wir sehr gut verzichten konnten.

Conteville bei Regen.
Aus zwei mach eins. Pont de Tancarville. Und ich scherzte noch: Hier fährt niemand, hält das Ding?

Landhäuser, Kirchen & Kühe

Dankbar, unversehrt wieder festen Boden unter den Reifen zu haben, freuten wir uns, dass der Himmel langsam aufklarte. Es war erstaunlich, wie unterschiedlich sich die beiden Seiten der Seine doch präsentierten. Neben großen Herrenhäusern in Épretot und Étainhus sah es teilweise fast so aus, wie im Münsterland.

Saint-Romain-de-Colbosc wirkt landschaftlich schon deutlich anders, als das, was wir an Ländereien am gestrigen Tag gesehen hatten.
Épretot. Eines der vielen Herrenhäuser, die wir noch sehen werden.
Saint-Romain-de-Colbosc. Könnte aber genauso gut bei uns ums Eck sein.
Kühe und etwas Sonne in Épretot.
Think big in Étainhus.
Selbst die Kirchen zeigten sich heute besonders abwechslungsreich….Église Saint-Léonard in La Cerlangue…
…und Hermeville, Église Saint Pierre im Streifenlook.

Mal verliert man und mal gewinnen die anderen

Angekommen am Cap d’Antifer freuten wir uns, dass die Sonne hielt und wir noch einen Spaziergang am Wasser machen konnten. Aber, es gab Größen, auf die wir keinen Einfluss hatten. In diesem Fall war es der Wind. Dieser Trieb den Ölgeruch derart an Land, dass wir kaum durchatmen mochten. Somit beschränkte sich unser Besuch am Cap auf die Ver- und Entsorgung. Länger hielten wir es leider nicht aus. Machte nix, denn desto schneller waren wir in Étretat und folglich schneller beim Flan nature, der quasi schon nach uns rief.

Auch ein Rücken kann entzücken.
Ziemlich cooler Kreisverkehr in Saint-Jouin-Bruneval.

Als wir kurze Zeit später Étretat erreichten, war uns beim Anblick der Parkplätze sehr schnell klar: Sonntags steppte hier der Bär.

Im Verkehrsgewusel steuerten wir auf direktem Wege die Pâtisserie an und hatten Glück, denn sie war geöffnet. Fix sprang ich aus dem Auto und flitzte in den Laden. Dann die herbe Enttäuschung: sie hatten keinen Flan nature. Nur irgendetwas Ähnliches mit Orange. Aber wer wollte denn Orange? Das war fast so schlimm, wie warmes Obst auf einer Pizza oder als Toast.

Étretat von anner Siet (von der anderen Seite). Anders, aber auch sehr hübsch.

Bedröppelt zog ich unverrichteter Dinge wieder von dannen. Rabbi umrundete derweil drei Mal die Ampel und gabelte mich wieder auf. Nachdem er meine leeren Hände sah, war er mindestens genauso enttäuscht, wie ich.

Fécamps die Zweite

Ohne unsere heiß ersehnten Vitamine (Kalorien) fuhren wir gesenkten Hauptes zum geplanten Schlafplatz am Cap Fagnet. Von diesem Wanderparkplatz aus, war der Blick auf die Stadt Fécamp wirklich atemberaubend und half dabei, unsere Tränen zu trocken. Wir parkten die Elfie und machten uns auf, um nach dieser kulinarisch doch etwas erfolglosen Fahrt, ein bisschen Luft zu schnappen,

Der Platz um die Bunker herum war menschleer. So konnten wir die Geräuschkulisse von Fécamp das erste Mal richtig wahrnehmen. Eine tolle Atmosphäre. In der Dämmerung wollten wir erneut einen Blick auf die City werfen.

Ein bekanntes Bild und trotzdem immer wieder schön.
Gleitschirmfliegen, ein echter Traum.
Wir können uns nicht satt sehen.

Manche Dinge kann man nicht kaufen

Gegen 20 Uhr zogen wir noch mal los. Es war ganz schön abgekühlt, aber der Gang lohnte sich. Dass der Himmel in Frankreich uns verzückte, war nichts Neues. Wir konnten uns einfach nicht genug daran erfreuen. Auf Zuckerentzug, aber trotzdem happy verabschieden wir uns mit diesen wundervollen Bildern und sagen Bonne Nuit!

Ohne Worte.
Wir…haute et…
….basse!
Fécamp in der Dämmerung sieht schon geil aus von oben.
Mehr Romantik geht nicht.
Guckt es Euch auf jeden Fall an.

Montag, 26.09.2022 Abfahrt: Cap Fagnet – Ankunft: Sangatte (242 Kilometer)

Die Route vom Cap Fagnet nach Sangatte.

Nach einer stürmischen, regnerischen Nacht mit schlechtem Schlaf, hatten wir heute einen echten Supergau in der Elfie. Am hinteren Schlafzimmerfenster drang Wasser ein. Das war absoluter Mist, zumal wir vor unserer Abfahrt eine Dichtigkeitsprüfung hatten durchführen lassen. Feuchtigkeit war neben Elektroproblemen immer richtig doof, vor allem, wenn kein passender Händler in der Nähe war.

Wassereintritt und wir wissen nicht woher.

Was macht der geschickte Handwerker in einem solchen Moment? Keine Ahnung. Wir jedenfalls, demontierten den Zierrahmen, Schraubten anschließend das Rollo ab und guckten uns schlau ins Gesicht. Gefolgt von einem gewichtigen Nicken mit untermalten „Jo, leckt“. Grand Merde. Machen konnten wir so erstmal nix, außer alles abgeschraubt zu lassen und auf Trocknung zu hoffen. Der Regnen ließ inzwischen etwas nach, der Wind allerdings nicht.

Reschen, Reschen wer mer krieschen

Das mit dem Regen nervte ein bisschen. Die Wetterkarten von Frankreich und Deutschland verhießen aber beide weiterhin nichts Gutes. Regen, Regen und noch mehr Regen. Nizza war zu weit, bei Bardonlino kamen wir kurz ins Überlegen, aber ich konnte Rabbi letztlich doch nicht überreden. Auf einmal fielen solche Worte, wie „vernünftig.“ Ich wunderte mich, seit wann wir etwas mit Vernunft am Hut hatten, aber vielleicht kam das mit dem Alter. Leider!

Dank dieser Vernunft saßen wir um 14 Uhr immer noch planlos und lost am Cap Fagnet. Ich nutzte die Zeit, um die bisherigen Artikel zum x-ten Mal Korrektur zu lesen. Ein Ende war immer noch nicht in Sicht. Etwa eine habe Stunde später hieß es dann auf einmal Abfahrt.

Die zweite Reihe

Bereits zum dritten Mal wies uns ein Lebensmittelhändler den Weg für unsere Reise. Jetzt ging es um das Baguette in Berneval. Geschlafen hatten wir dort auch ganz anständig, also klang das nach einem guten Zielort.

Wir fuhren dieses Mal parallel zu den Küstenstraßen der Hinfahrt. Diese Passage führte uns durch teilweise echt verlassene Örtchen. Mehr als 50% der dortigen Wohn- und Geschäftshäuser standen leer und waren verbarrikadiert. Es war so ein bisschen schmucke Fassade versus Voilà la realité.

Pendé wirkte ziemlich verlassen.
Haute-sur-Mer von der anderen Seite.
Ein ganz anderes Bild.
Dieppe von der anderen Seite.
Auch ein anderes Bild.

Das war alles nicht besser oder schlechter, als die direkte Strandlage, es war aber eben anders. Moderner, weniger normannisch. In jedem Fall sehr spannend und absolut empfehlenswert, sich diese unterschiedlichen Seiten der Normandie anzusehen.

Montags Ruhetag

In Gedanken malten wir uns schon aus, mit welchen Leckereien wir das Baguette belegen wollten. Ihr dachtet jetzt bestimmt, dass wir nur Essen im Kopf hatten. Sicherlich gab es noch zahlreiche andere Dinge, die uns im Geist herumschwirrten, aber die verschoben wir auf nach dem Urlaub. Insofern lagt Ihr, mit Eurer Vermutung, nicht ganz falsch.

Knappe 76 Kilometer weiter standen wir allerdings vor verschlossenen Türen. Ruhetag. Eigentlich hatten wir im Hinterkopf, dass sie diesen Dienstags hatten, aber vielleicht war das Mehl aufgebraucht. Wer wusste das schon.

Die kluge Hausfrau hatte natürlich für eine solche Situation vorgesorgt. OK, zu viel der Ehre. Es war reiner Zufall, dass ich gestern Nudelteig vorbereitete. Ich konnte bei unserer Art der Rückreiseplanung ja gar nicht wissen, dass wir noch mal in Berneval vorbeischauten.

Fix den Teig ausgerollt, ins kochende Salzwasser gegeben, den Schinken klein geschnippelt und anschließend alles in guter deutscher Markenbutter in der Pfanne geschwenkt. Bon Appetit!

Nach erfolgter Mahlzeit, die im Übrigen gar nicht so schlecht schmeckte, fuhren wir weiter nach Camiers. Einen potentiellen Schlafplatz erkunden. Der war aber nichts. Schade, denn der Sandstrand dort war echt herrlich.

Die nächste Möglichkeit gab es in Sangatte. Bei der Durchfahrt von Le Trèport und Eu verabschiedeten wir uns von der Normandie, freuten uns auf das nächste Mal und begrüßten die Region Hauts-de-France erneut mit einem freundlichen Salut.

Im Dunkeln ist gut Munkeln

Da wir heute recht spät loskamen, fing es bereits an dunkel zu werden, bevor wir am Zielort eintrafen. Wir mussten dazu sagen, dass unser Navigationssystem, Namens „Uschi“, bei der Routenplanung keine Ausnahme zwischen PKW und Wohnmobil machte. Das erhöhte den Spannungsfaktor extrem. Insbesondere, wenn wir in eine Straße abbogen, die knapp 2,00 Meter breit war und uns ein Bauer mit seinem New Holland Feldhäcksler entgegenkam.

Für die ganz harten Kollegen, brachte die Dunkelheit noch mal ein bisschen mehr Würze in die Tour. Quasi, wie Elitequests in einigen bekannten Online-Spielen. Das waren Momente, in der unsere Uschi so richtig in Wallung kam.

Anstatt auf der D940 bis Sangatte zu verbleiben, einer wunderbar gut ausgebauten Straße, meinte die Olschke, sie müsse unser Nervensystem testen, indem sie uns bei völliger Dunkelheit über einsame Landwege zum Ziel führte. Wer vermisste da nicht die guten alten Falk-Landkarten?

Mit leichten Flecken unter der Achselhöhle kamen wir schließlich doch noch an. Dann hieß es direkt, Zähneputzen, Hörspiel an und ab ins Bett.

Morgen wollten wir einen Tag pausieren. Wir merkten, dass wir etwas zu fix unterwegs waren. Die Routen über die Landstraßen ermöglichten es uns, weitere Distanzen zurückzulegen. Das hatten wir so gar nicht auf dem Schirm. Naja, fürs nächste Mal wussten wir Bescheid. Schlaft gut!

Solche Zebrastreifen müsste es auch bei uns geben…Solarbetrieben versteht sich…

Dienstag, 27.09.2022 Ruhetag in Sangatte

Für unsere Verhältnisse schliefen wir heute morgen recht lange. Seit drei Tagen wurden wir nicht durch den Regen geweckt, sondern durch die Sonne. Wenn auch etwas zaghaft. Die Bettdecke war so schön mollig, dass wir nicht aus den Federn kamen.

So lässt es sich gut in den Tag starten.

Gegen 11 Uhr rafften wir uns auf, machten uns ein bisschen straßentauglich und gingen raus, Sangatte erkunden. Beim letzten Mal hatten wir den Zugang zum Strand nicht gefunden. Dieses Mal waren wir deutlich erfolgreicher. Es war kalt, der Wind blies schon eine Nummer heftiger, aber die Sonne schien und wir waren glücklich.

Hier lässt es sich gut leben.
Derselbe Strandzugang ein paar Stunden später – Hochwasser in Sangatte geht fast bis vor die Haustür.
Wellenbrecher, soweit das Auge reicht.
Eine Dokumentation an der Promenade schildert, wie die Holzstämme in den Boden gerammt wurden.

Die 2013 fertiggestellte Promenade lud uns geradezu zu einem entspannten Strandspaziergang ein.

Schon schön, oder?

Bei etwas höheren Temperaturen hätten wir herrlich am Strand sitzen können, um die riesigen Fähren Richtung Dover oder die mutigen Kitesurfer zu beobachten. Heute war es leider viel zu fröstelig und wir dazu mit den falschen Jacken ausgestattet.

Wie sooft an der Küste finden sich Sitzbänke zum Ausruhen und Träumen am Strand.
Kitesurfer und Fähren im Hintergrund haben durchaus meditative Qualitäten.

Bunker im Garten

Auch an diesem Küstenabschnitt waren zahlreiche Bunker noch sehr gut erhalten. Bei einigen Häusern in erster Reihe stand noch einer im Garten. Diese Bauten dienten der Kanalsicherung. Regelmäßig wurde von Sangatte aus das 30 Kilometer entfernte England bombardiert.

Obwohl die hier installierten Kanonen eine solch gewichtige Rolle im zweiten Weltkrieg spielten, schien diese Ecke, bekannt als Hellfire Corner, weniger Touristen anzuziehen, als andere Küstenregionen. Das gefiel uns, denn so war Sangatte ein recht unaufgeregtes, eher unspektakuläres Örtchen.

Schutzbunker im Garten.
So erschreckend deren Zweck,…
…so erstaunlich die Bauweise.

Der Bäcker ist nix

Vorbei an Ferienwohnungen, -häusern und Campingplatz schlenderten wir noch zum ortsansässigen Bäcker. Wir sagten es mal so, den brauchte man nicht unbedingt mit auf seine Haben-Liste zu packen. Da der Flan ziemlich aufgebacken aussah, nahmen wir nur ein paar Croissants mit. Leider waren diese staubtrocken. Aber: die Brötchentüte hatte diese liebevoll zusammengeknubbelten Hasenohren, die in dieser Region Frankreichs anscheinend Usus waren.

Ieeeh Heizung

Nach unserem Spaziergang schmissen wir das erste Mal seit sehr langer Zeit die Diesel-Heizung an. Bei 1,59 Euro pro Liter Diesel konnten wir es richtig krachen lassen. (Nur ein Spaß). Wir wollten duschen und bei diesen Witterungsverhältnissen bekamen wir sonst die Handtücher nicht trocken.

So muckelig warm und frisch geduscht ging der Tag dann doch recht fix rum. Rabbi recherchierte bezüglich unserer Fensterproblematik, ich versuchte unterdessen, die schlechten Formulierungen aus den Tagebucheinträgen zu eliminieren. Die trockenen Croissants hatten wir mit einem leckeren Camembert aus der Region aufgepeppt. Frisch gebrühter Kaffee half beim Nachspülen.

Ruck Zuck war es 18 Uhr und Zeit für den leckeren Vin Blanc, den wir gestern bei unserem ersten Leclerc-Besuch erstanden hatten. Bis zum letzten Moment verweigerten wir uns dieser Kette. Leider war es der einzige Supermarkt, der auf dem Weg lag und noch geöffnet war. Naja, die Tatsache, dass es heute einen Tagebucheintrag gab bewies, dass wir den Einkauf überlebten. Zudem mussten wir uns eingestehen, dass Auswahl sowie Preise wirklich gut waren.

Fast allein

Überrascht waren wir, wie schnell sich heute der Stellplatz in Sangatte leerte. Im Vergleich zu unserem letzten Besuch vor knapp zwei Wochen reduzierte sich das Aufkommen an reisewütigen Wohnmobilisten von voll belegt auf vier Fahrzeuge. Hier war nix mehr los.

Platz satt.

Ob wir morgen noch blieben oder uns tatsächlich Richtung Saint-Quentin aufmachten, war noch offen. Geplant war es, aber wie es um unsere Pläne stand, wusstet Ihr ja inzwischen. Zumindest konnte man uns nicht vorwerfen, wie seien unflexibel – in diesem Sinne.

Erinnerungsfoto vom Strand. Dieses Mal sind wir beide beschuht.

Mittwoch, 28.09.2022 Abfahrt: Sangatte – Ankunft: Lens – Abfahrt: Lens – Ankunft: Sangatte (243 Kilometer)

Die Route Sangatte nach Lens und wieder retour.

Was gab es wohl im Hinterland? Vielleicht Trolle? Nach diesem ganzen „Hinterland-ja-nein-vielleicht“ galt es dies nun doch herauszufinden. Ganz im Gegensatz zu den letzten Tagen waren wir ausnahmsweise sehr schnell in unserer Reiseplanung. Es ging nach Lens, um morgen noch mal in Saint-Quentin vorbeizuschauen.

Es war zwar ein Umweg, aber da wir so fix unterwegs waren, hatten wir noch ein bisschen Zeit, um uns in Frankreich aufzuhalten. Diese wollten wir nutzen. Achtung Spoiler: Wir fuhren nicht nach Saint-Quentin. Aber lasst uns erst einmal auf den heutigen Tag schauen.

Calais, die zweite

Um 11 Uhr starteten wir happy, dass die Sonne schien, Richtung Lens. Insgesamt hielt die heutige Route nur wenige Höhepunkte, dafür aber konsequent schlechte Straßen für uns bereit. Selbst die Bundesstraßen. Wenn es durchgehend rumpelte und rappelte, machte uns das Fahren einfach keinen Spaß.

Da Sangatte nur wenige Kilometer von Calais entfernt lag, ließen wir es uns nicht nehmen, dieses Mal beim Rathaus vorbeizufahren. Ein wirklich beeindruckendes Gebäude.

Das Rathaus von Calais.
Museum der Spitze.
Nebengebäude des Museums, filigrane Darstellung einer Spitzendecke.

Nach dem Museum der Spitze (Cité de la dentelle et de la Mode), wunderschön am Kanal gelegen, wechselte das Stadtbild recht schnell zwischen Einfamilien-, kleinen Mehrfamilien- und Hochhäusern.

Die Straße…
… das Viertel…
…der Block.

Hübsches Bourbourg

Nach Marck, Oye-Plage und Gavelines folgte, 37 Kilometer von Sangatte entfernt, ein weiteres Highlight unserer Tour.

Bourbourg war eine tolle kleine Stadt, die es sofort auf unsere „Hier-mussten-wir-noch-mal-hin-Liste“ schaffte. Durch Zufall entdeckten wir die Metzgerei „Au petit Boucher“, die wir zum besten Fleischer unserer französischen kulinarischen Reise kürten. Hier wollten wir auf der Rückfahrt noch einmal vorbeischauen.

Bourbourg.
Das Rathaus.

Es kann nie genug Ortsnamen geben

Viel zu schnell ließen wir das hübsche Bourbourg hinter uns. Der nächstgelegene Durchgangsort war Lynck, der auf uns ziemlich ausgestorben wirkte.

Ab Le Bout de Loo (Looberghe) waren die Ortschilder manchmal zweisprachig, westflämisch und französisch. Es kam auch vor, dass die linke Dorfseite anders hieß, als die rechte. Wie wohl der Postbüddel damit klarkam?

Die Hälfte der Häuser in Lynck machten einen verlassenen Eindruck.

In Saint-Venant fühlten wir uns durch die weinroten Klinkerfronten der Häuser an die Niederlande erinnert.

Dorfmitte Saint-Venant hatte einen niederländischen Einschlag.

Fast, wie im Pott

Nach Béthune und der Gedenkstätte Loos-en-Gohelle, beides geschichtsträchtige Ort in Bezug auf den ersten Weltkrieg, tauchten mit einem Mal zwei düster wirkende Hügel vor uns auf.

Die schwarzen Pyramiden von Loos-en-Gohelle waren Schlackehalden aus der Zeit des Steinkohlebergbaus. Sie trugen den Namen Terrils Jumeaux du 11/19. Wie unsere Recherche ergab, sollte es sich bei den beiden um die höchsten künstlich geschaffenen Hügel bzw. Abraumhalden Europas handeln. Inzwischen in einen Naturpark umgewandelt und für Wanderungen freigegeben.

Auf diesem Friedhof liegen 2000 Kriegsopfer des Ersten Weltkrieges.
Terrils Jumeaux du 11/19.
Der Naturpark ist mit dem Louvre-Lens eine der Ideen, die Region kulturell nach vorne zu bringen.

Schwer zu beschreiben

Insgesamt drei Stunden später erreichten wir Lens. Ein Örtchen, dass wir nicht so richtig greifen konnten. Es wirkte, wie eine niederländische Grenzstadt, war wenig prunkvoll und bot dennoch etwas Anziehendes. Eine ehemalige Bergbaustadt, die nach der Schließung der letzten Zeche 1986 wirtschaftlich schwer zu kämpfen hatte.

Vielleicht war es nicht die erste Adresse für unseren nächsten Frankreichbesuch, aber nach anfänglichen Bedenken wollten wir doch noch mal etwas genauer hinschauen. Leider hatte die Atmosphäre des Stellplatzes heute nicht den Wunsch in uns geweckt, zu bleiben.

Orteinfahrt nach Lens.
Die Stadt bietet eine Mischung,…
…die sich schwer…
…in Worte fassen lässt.
Der Stadtkern war wirklich hübsch.
Und erinnerte und ein wenig an die Seitenstraßen von Mailand City.

Rarität Stellplatz

Hätten wir auf eine andere Schlafstätte ausweichen können, wir hätten es gemacht. In der Region Hauts-de-France war das Angebot an Stellplätzen allerdings, im Vergleich zur Normandie, weniger umfangreich. Wir konnten froh sein, überhaupt etwas in Lens gefunden zu haben, das laut Bewertung einigermaßen passabel war.

Der angebotene Platz in Lens-Avion lag direkt an einem See und war gut besucht. Er war sauber und ordentlich, aber irgendwas gab uns kein gutes Gefühl. Es wirkte ein wenig so, als wenn die Mehrzahl der Wohnmobilisten dort wohnte. Wir fühlten uns, wie Eindringlinge. Nun waren wir aber einmal da, nun wollten wir (eigentlich) auch bleiben.

Trickreiche Franzosen, keine Trolle und das verflixte Bauchgefühl

Da wir Frischwasser benötigten, fuhren wir als erstes auf die Entsorgungsstation. Das Prinzip dieser Ver- und Entsorgungsstation war teuer, aber einfach. 3,00 Euro für eine halbe Stunde Wasser und Strom.

Der Motor lief noch, als ein älterer, verschroben wirkender Herr aus seinem Wohnmobil lugte und mehr schleichend als laufend zu uns rüber kam. Allein sein putziger Hund war der Grund, dass wir nicht direkt wieder die Flucht ergriffen.

Als Rabbi das Geld einwarf, um Wasser zu zapfen, kam der Mann näher. Er nuschelte etwas in schwer verständlichem Französisch und guckte uns regungslos an. Wir verstanden nichts. Er nuschelte erneut „…..électricité“ und zeigte auf die freie Steckdose. Verunsichert schüttelte Rabbi den Kopf.

Während die bisherigen Bewegungen des älteren Herren eher in Zeitlupen verliefen, ging das Einstecken seines Stromsteckers so schnell, dass er auch glatt als schwarzer Blitz hatte durchgehen können. Nach vollzogener Handlung reduzierte sich sein Tempo schlagartig. Im Umdrehen murmelte er noch ein knappes „Merci“ und verschwand fast unmerklich wieder in seinem Wohnmobil.

Der Akt vollzog sich noch zwei weitere Male. So kam dieser Herr doch recht kostengünstig an seinen Strom. Ein ziemlich trickreiches Kerlchen.

Je länger wir standen, desto größer wurde mein Unbehagen. Es gab eine Devise: hatte einer von uns beiden ein schlechtes Bauchgefühl, wurde ein neuer Platz gesucht. So entschieden wir, Saint-Quentin von der Liste zu streichen und zurück nach Sangatte zu fahren.

Dahoam

Der Rückweg durch das Naturschutzgebiet Parc Naturell régional des caps et marais d’opale war wesentlich schöner, als unser Hinweg nach Lens. Wieder einmal ging es bergauf und bergab. Auf deutlich besseren Straßen.

Umland von Thérouanne.
Herbsttöne und Land soweit das Auge reicht in Houlle.

Über 40 durchquerte Orte hatten wir heute durchquert, als wir um 19 Uhr wieder in Sangatte ankamen. Eindrücke, die uns niemand nehmen konnte. Die Fahrt war also nicht vergebens. Ganz im Gegenteil. Müde und glücklich gönnten wir uns noch eines dieser 0,25 Liter Bierchen und dann gings‘ aber ab ins Bett.

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